Forumsbeitrag: Lohnt sich eine Spital-Zusatzversicherung (Halb-Privat- und Privatversicherung) noch?

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Der Liechtensteiner Krankenkassenverband (LKV) hat schon mehrfach angetönt, dass unsere Krankenkassen im Bereich der Spital-Zusatzversicherungen vom Eintrittsalter auf das Lebensalter umstellen wollen. Das Thema hat der Landtagsabgeordnete Johannes Kaiser in einer Interpellation aufgegriffen. Nach deren Beantwortung durch die Regierung hat das Volksblatt letzte Woche (Mittwoch, 14. November) auf der Titelseite darauf Bezug genommen. Den Krankenkassen gemäss müssten mit einem Systemwechsel junge Versicherte dazu gebracht werden, Zusatzversicherungen abzuschliessen, um die Zukunft der Kassen zu sichern. Die Gruppe der Zusatzversicherten werde immer älter und das Versicherungskollektiv dadurch durchschnittlich teurer. Das gegenwärtige System (Eintrittsalter) müsse durch jüngere und gesündere Zusatzversicherte quersubventioniert werden. Die Kassen schlagen deshalb „altersbezogene Tarife bei Zusatzversicherten“ an.

Im Klartext heisst das, dass für die Zusatzversicherten mit jedem Lebensjahr die Prämien automatisch ansteigen und im Alter so hoch sind, dass viele Zusatzversicherte sich diese Prämien dann nicht mehr leisten können. Über die Jahrzehnte kann ein Versicherter vielleicht 100’000 Franken in die Zusatzversicherung stecken und so die Leistungen für andere solidarisch mitfinanziern, nicht quersubventionieren, nur um die Zusatzversicherung gerade dann zu verlieren, wenn er oder sie selbst davon profitieren sollten. Auch wenn für die heutigen älteren Versicherten und Senioren grosszügige Übergangsregelungen geschaffen würden, laufen gerade für die jungen Versicherten, die mit tieferen Prämien als dies heute der Fall ist geködert werden sollen, in die Falle und werden im Alter richtig zur Kasse gebeten. Auch wenn die Kassen verlauten lassen, dass dies in der Schweiz schon seit längerem möglich sei, trifft das Vorhaben keinesfalls die Interessen der Versicherten. Mag sein, dass dieses Modell, theoretisch, die Kosten risikogerechter auf die Altersgruppen verteilt, wie die Regierung schreibt. Doch was nützt eine Krankenkasse, die man sich im Alter nicht mehr leiten kann? Offensichtlich haben die jüngeren Versicherten in der Schweiz die Mogelpaket erkannt und verzichten darum auf eine teure Zusatzversicherung.

In der ganzen Diskussion ist bisher völlig untergegangen, dass bereits im heutigen System, also Prämienfestsetzung nach Eintrittsalter, die Prämien nach Alter gestuft sind. Wer als Kind bzw. bereits als junger Erwachsener eine Spitalzusatzversicherung abschliesst, bleibt in dieser Kategorie und bezahlt tiefere Prämien als wenn er erst mit 50 Jahren eine Zusatzversicherung abschliesst. Dieses System berücksichtigt – und honoriert! – die Solidaritätsleistung eines bereits seit Jahrzehnten Versicherten.

Die Liechtensteiner Patientenorganisation LIPO lehnt einen Systemwechsel zum Lebensalter ab und hält ein solches Vorhaben gerade jungen Versicherten gegenüber für unseriös.

Forumbeitrag Prämienverbilligung statt säumige Prämienzahler

Das Volksblatt berichtete letzte Woche darüber, dass seit Anfang dieses Jahres die Kassen säumige Prämienzahler leichter betreiben und vor allem relativ problemlos die Auszahlung von Leistungen einstellen können. Bezahlt werden von den Kassen nur noch Notfallbehandlungen

Der Geschäftsführer des LKV unterscheidet dabei zwei Kategorien von säumigen Prämienzahlern: solche, die sich die Prämien und Franchisen nicht leisten können und solche, die schlicht nicht zahlen wollen; letztere Gruppe sei die weitaus grössere. Ausserdem kündigte er an, dass der Begriff Notfallbehandlung sehr strikt ausgelegt werde.

 Diese Aussage macht uns betroffen, einmal weil sie so nicht stimmt, vor allem aber deshalb, weil einmal mehr eine Gruppe von Menschen unverdient an den Pranger gestellt wird. Wie den genannten Zeitungsartikeln zu entnehmen ist, beobachten die Kassen seit ca. zwei Jahren eine starke Zunahme von „säumigen Zahlern“, also exakt seitdem die Prämien aufgrund der Kürzung des Staatsbeitrages massiv erhöht werden mussten und zusätzlich hohe Kostenbeteiligungen anfallen. Dies wurde auch vom Schuldenberater und der Stiftung „Liachtbleck“ bestätigt.

Die gleichen Erfahrungen hat auch die LIPO gemacht. Seit den beiden hohen Prämienrunden und speziell seit die hohe Kostenbeteiligung zu entrichten ist, hat die Zahl der Klienten, die Rat suchen, wie sie die Prämien-und Franchisenlast tragen sollen, massiv zugenommen. Während manche ihre Zusatzversicherungen kündigen, und viele Senioren ihre seit Jahrzehnten bezahlten Privat-und Halbprivatversicherungen für Spital stationär aufgeben müssen, besteht für viele, die schon bisher nur zum Minimum versichert waren, diese Möglichkeit nicht. Für diese wird es prekär. Oft sind es solche Personen, die gerade noch zuviel verdienen, um eine Prämienverbilligung beantragen zu können.

Die Verordnungsänderung erleichtert Betreibungen und legt fest, dass Behandlungen nur noch in Notfällen von den Kassen bezahlt werden müssen, verschiebt aber nur das Problem. Das Risiko von Ausständen wird von den Kassen zu den Versicherten, und vor allem zu den Ärzten verschoben. Wie kann ein Arzt, der immerhin einen Eid geleistet hat, eine nötige Behandlung verweigern?

Die Schlagzeile im Volksblatt “Säumige Prämienzahler werden für Kassen zum Problem“ trifft also nicht zu, da für die Kassen das Problem mit dieser Verordnung gelöst wurde.

Nicht gelöst wurde damit hingegen das grundsätzliche Problem, dass für viele Versicherte die Belastung durch hohe Prämien und hohe Kostenbeteiligungen einfach zu gross wird. Die LIPO schlägt daher vor, das Prämienverbilligungssystem auszubauen. Durch Anhebung der Einkommensgrenzen und Erhöhung der möglichen Prämienreduktionen könnte ein grösserer Teil der unteren Einkommen als bisher profitieren. Im Jahr 2016 hatten rund 14,4% der Versicherten Anspruch auf eine Prämienverbilligung, im Vergleich dazu sind es in der Schweiz rund ein Drittel der Versicherten. Bei derart drastischen Veränderungen, wie sie die massiven Prämienerhöhungen und zugleich massiven Erhöhungen der gesetzlichen Kostenbeteiligung darstellen, ist eine flankierende Massnahme in Form einer Erweiterung des Prämienverbilligungsmodells mehr als angebracht. Das hat der Landtag bereits bei der KVG-Revision 2013 versäumt. Wenn deutlich mehr Personen mit unteren und mittleren Einkommen Anspruch auf Prämienverbilligung hätten, sänke auch die Zahl der sogenannten säumigen Prämienzahler drastisch, vor allem entfiele auch der für viele entwürdigende Gang zum Sozialamt.

Forumbeitrag der Liechtensteiner Patientenorganisation (LIPO)

Quelle: Forumsbeitrag vom 19. September 2017

Keine Prämienerhöhung für 2018?

Im Interesse der Versicherten und Patienten erwartet die Liechtensteiner Patientenorganisation (LIPO) für 2018 aufgrund der unterdurchschnittlichen Kostenentwicklung und der komfortablen Reservesituation keine Prämienerhöhung.

Laut Liechtensteiner Krankenkassenstatistik 2016 (Seite 102) sind die Reserven der OKP von 2015 bis 2016 wiederum gestiegen, nämlich um rund 11,3 Millionen Franken (20,5 %), und betragen mit 66,2 Millionen Franken mehr als das Doppelte der vorgeschriebenen gesetzlichen Reserven.

Die laufende Kostenentwicklung weist gemäss Kostenmonitoring des BAG(www.bag.admin.ch) für das erste Halbjahr 2017 (Januar bis Juni) im Vergleich zum Halbjahr des Vorgängerjahres einen Kostenrückgang von 4,5% der Bruttokosten pro Kopf aus. Laut rollender Auswertung der Kostenentwicklung Juli 2016 – Juni 2017des LKV ( im Vergleich zur gleichen Zeitperiode des Vorjahres) sinken die Kostenum 2,1% (www.lkv.li).

Aufgrund der aktuellen unterdurchschnittlichen Kostenentwicklung ist davon auszugehen, dass die Kosten in diesem Jahr (2107) kaum steigen. In Hinblick darauf, dass in den letzten 5 Jahren die Gesamt-OKP-Kosten im Durchschnitt jährlich um 3.6%, bzw. um 1.9% pro Kopf, gestiegen sind, und angesichts der erfreulichen Reservesituation, besteht für eine Prämiensteigerung für 2018 in Liechtenstein kein Anlass.

Forumbeitrag der Liechtensteiner Patientenorganisation (LIPO)

Wer vertritt die Interessen der Patienten und Versicherten?

Die Liechtensteiner Patientenorganisation (LIPO) ist ein gemeinnütziger Verein, der die Wahrnehmung der Interessen der Patientinnen und Patienten sowie der Versicherten und die Verbesserung ihrer Stellung im Gesundheitswesen bezweckt und seit ihrer Gründung vor nunmehr 8 Jahren dieser Aufgabe auch nachkommt. Sie hat als die einzige weder von Leistungserbringern, Krankenkassen noch von der Politik abhängige Organisation in den zurückliegenden Jahren vielen Patienten und Versicherten helfen und – wie gesetzlich vorgesehen – als Mitglied in der Landesgesundheitskommission und der Kosten- und Qualitätskommission dort deren Interessen einbringen können. Es ist selbstverständlich, dass die LIPO daher zu einem KVG-Vernehmlassungs- bericht, der ganz wesentlich in unser Gesundheitssystem eingreift, Stellung nimmt und sich auch öffentlich dazu äussert. Im vorliegenden Gesetzesentwurf wird der Patient bzw. der Versicherte vielfältig belastet, einmal durch höhere Prämien und wesentlich höhere Kostenbeteiligungen (ohne Abfederung der Einkommensschwächeren etwa durch ein entsprechend angepasstes Prämien- verbilligungssystem), zusätzlich soll er in Zukunft aufgrund des neuen Vergütungssystems die Rechnung vom Arzt selber zahlen und sich dann mit seiner Krankenkasse um Rückerstattung auseinandersetzen müssen (gegen den Versand der Rechnung an den Patienten hat die LIPO nichts einzuwenden, dies ist möglich, ohne dass dieser gleichzeitig zum Schuldner des Arztes wird): kurz gesagt, die Kassen werden entlastet, die Versicherten/Patienten dafür massiv belastet.

Bedarfsplanung – keine freie Arztwahl

Regierung wie der LKV behaupten, die Prämien nur dann bezahlbar halten zu können, wenn die Bedarfsplanung nur noch vom LKV allein vorgenommen wird, die Kassenverträge nur noch auf 4 Jahre befristet vergeben werden usw.  Die Kehrseite der Medaille ist, dass ein Patient, sollte sein Arzt keine Vertragsverlängerung bekommen, den Arzt wechseln muss. Die Bedarfsplanung, von der Politik als Instrument zur Steuerung des Zuzugs von Ärzten etabliert, bedeutet, dass ein Arzt nur einen Kassenvertrag bekommt, wenn Bedarf besteht. Sie bedeutet aber auch, dass der Versicherte keine freie Arztwahl hat und mit der jetzigen Vorlage noch weiter in der Auswahl eingeschränkt werden kann, was gerne verschwiegen wird.  Die LIPO lehnt im Interesse der Patienten auch die weiteren Auswirkungen der Änderungen im Bereich der Bedarfsplanung, wie etwa indirekte Rationierung von Leistungen, ab und hält trotz Unterstellungen  (Vaterland, 2. und 4.Oktober) an dieser Meinung fest. Jedenfalls ist die Behauptung der Regierung wie des LKV, dass der Prämienzahler keine Lobby habe oder diese beim LKV angesiedelt sei, falsch. Die LIPO vertritt die Interessen des Versicherten, also Prämienzahlers, erlaubt sich aber, die Diskussion nicht auf die blosse Kostenebene zu beschränken.

Wie Gesundheitsminister Pedrazzini laut RadioL vom letzten Sonntag festhält, sollen Fakten sprechen. Wenn das ernst gemeint ist, können wir nun wohl die fruchtlose Diskussion um den im Vergleich zur Schweiz angeblich weit höheren Arzttarif, verlassen, da ja eine Untersuchung ergeben hat, dass der FL-Tarif auch nicht höher liegt als der Tarif in St.Gallen.  Im Interesse der Patienten und Versicherten ist zu hoffen, dass Regierung und LKV die richtigen Schlüsse daraus ziehen und die Diskussion um die wahren Probleme im Gesundheitswesen zu führen bereit sind.

Die ausführliche Stellungnahme der LIPO zum Vernehmlassungsbericht zum KVG  können Sie unter www.lipo.li nachlesen.

 

Der Vorstand der LIPO