Tiefer Selbstbehalt bei Generika

Werden ab 1. Januar 2007 von Ärzten oder Chiropraktoren Generika statt Originalarzneimittel für Patienten verschrieben oder an diese direkt abgegeben, so wird der Selbstbehalt, der den Patienten von den Krankenkassen in Rechnung gestellt wird, nicht auf 20 Prozent erhöht. Diese Regelung wurde im August 2006 in die Verordnung zum Krankenversicherungsgesetz (Art. 81a KVV) aufgenommen mit dem Zweck, das Wirtschaftlichkeitsprinzip in der Krankenversicherung zu fördern. Die Regelung tritt nach Ablauf einer Übergangsfrist am 1. Januar 2007 in Kraft.

Für die Patienten ist es zu ihren eigenen Gunsten als Prämienzahler wichtig, die gesetzliche Informationspflicht bei den Ärzten oder Chiropraktoren ab 1. Januar 2007 einzufordern und gemeinsam mit dem Arzt oder Chiropraktor die medizinisch und wirtschaftlich angezeigte Medikation zu bestimmen.

In den letzten Jahren sind die Kosten für Medikamente stetig gestiegen. Im Jahr 2005 betrug ihr Anteil an den Gesamtbruttokosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung 18,9 Prozent (20,7 Mio. Franken). Nicht in allen Fällen ist jedoch die Verschreibung oder Abgabe von teuren Originalmedikamenten erforderlich. Immer mehr können Generika, die grundsätzlich über ein identisches Wirksamkeits- und Nebenwirkungsprofil wie die Originale verfügen, zum Einsatz kommen. Die Regierung steht für die Förderung von Generika, da deren Einsatz hilft, finanziellen Spielraum für den notwendigen Einsatz teurer Arzneimittel zu schaffen und insgesamt die Kosten für Arzneimittel zu reduzieren.

Pilotphase gestartet ( PDF )

Liechtensteiner Vaterland, 9. September 2006 – Seite 5

LIPO – Vaterland – Seite5

Neutrale Anlaufstelle

Medienorientierung Liecht. Patientenorganisation LIPO
foto: tiziana condit

VADUZ – Im November letzten Jahres gegründet, nimmt die Liechtensteiner Patientenorganisation (Lipo) mit der Eröffnung der Geschäftsstelle in Mauren am Dienstag ihre Tätigkeit auf. In einer einjährigen Pilotphase sollen die Bedürfnisse und Probleme der Patienten ausgeforscht werden.

«Es soll in dieser Anfangsphase darum gehen, Erfahrungen zu sammeln und abzuklären, ob das Bedürfnis nach so einer Vereinigung überhaupt vorhanden ist», erklärte Präsidentin Anita Rederer am Donnerstag bei einer Medienorientierung in Vaduz. In diesem Zeitraum bietet die Lipo vorerst weder rechtliche noch medizinische Beratung an, sondern soll gemäss Vizepräsident Anton Gerner in erster Linie als «Wegweiser» dienen: «Wir geben den Patienten Ratschläge und verweisen sie an Stellen, welche ihnen weiterhelfen können.»

Dankbar und froh

Gesundheitsminister Martin Meyer überbrachte der Lipo die besten Wünsche für das Gelingen dieses Unterfangens von der Regierung, welche diese Vereinigung gemeinsam mit der Ärztekammer lanciert hatte. «Wir sind dankbar und froh, dass sich dieses Initiativkomitee zusammengefunden hat.» Der Regierungsrat betonte weiter, die Patientenorganisation sei als «neutrale Anlaufstelle» aus Sicht der Regierung ein «wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen». In der lang anhaltenden Diskussion um Tarmed habe jede Seite es für sich beansprucht, das Patienteninteresse zu vertreten; eine eigene Anlaufstelle zur Ausforschung dieser Interessen habe es jedoch noch nicht gegeben. «Der Patient hatte keine eigene Stimme», ergänzte Anton Gerner diesen Punkt.

Unabhängige Vertretung

Ungeachtet des Wohlwollens, welches Regierung und Ärztekammer der Gründung der Lipo entgegenbringen, sei diese kein verlängerter Arm derselben, sondern einzig die «Interessenvertretung von Patienten und Versichterten», wie Anita Rederer klarstellte. Auf die bestimmten Anliegen angesprochen, mit welchen sich Patienten an die Lipo wenden können, verwiesen die Verantwortlichen auf die Ergebnisse der einjährigen Probezeit. «Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt. Nach Ende der Pilotphase werden wir sie analysieren und die Bedürfnisse feststellen», so Geschäftsführerin Herlinde Tiefenthaler. Ein Ausbau der Leistungen mit medizinischen und rechtlichen Beratungen komme dabei genauso in Frage wie ein Abbruch des Projekts für den Fall, dass in der Bevölkerung kein Interesse an einer solchen Vereinigung in Liechtenstein bestehe.

Realistische Erwartungen

Finanzierungsgrundlage der Lipo werden fürs Erste Mitgliederbeiträge und Spenden sein. Man sei realistisch und erwarte in der Anfangszeit keinen grossen Ansturm, so Anton Gerner; er hoffe jedoch, innerhalb des ersten Jahres eine «ansehnliche Gruppe» zusammenzubringen. Weitere Beiträge seien eine Frage von Verhandlungen mit Ärzteschaft, Krankenkassen und Staat und zudem abhängig von den verschiedenen Aufgaben, welche die Lipo wahrnehmen werde. Als ihren Auftrag sieht der gemeinnützige Verein neben der Patientenberatung unter anderem die «Einflussnahme auf die Gesetzgebung zur Wahrung der Interessen der Patienten» sowie die «Mitarbeit in fachspezifischen Verbänden und Vereinigungen».