11. März 2026

Auf TARMED folgt TARDOC

Auf TARMED folgt TARDOC

Im April 2025 hatte der Schweizer Bundesrat das neue Gesamt-Tarifsystem für ambulante ärztliche Leistungen genehmigt. Die über rund 20 Jahre unverändert gebliebene Tarifstruktur TARMED wurde durch die Einzelleistungstarifstruktur TARDOC sowie durch eine Tarifstruktur mit ambulanten Pauschalen ersetzt.

Der neue Tarif ist in der Schweiz per 1.Januar 2026 in Kraft getreten. Die Genehmigung ist befristet bis 31.Dezember 2028, damit nach Einführung des neuen Systems allenfalls noch notwenige Anpassungen vorgenommen werden können.

Warum ist Liechtenstein davon betroffen?

Liechtenstein hat per 1. Januar 2017 mit LGBl. 2016 Nr. 2 die “gesamtschweizerische Tarifstruktur“ - den TARMED - eingeführt (KVG Art. 16c Abs. 3) und den eigenen Liechtensteiner Ärztetarif aufgegeben. Seither wird die jeweils geltende Fassung der Schweizer Tarifstruktur übernommen, die auf der Internetseite des Amtes für Gesundheit abrufbar ist. Mit dem TARMED wurde eine schon damals veraltete und mit mehr als 4000 Tarifpositionen wenig transparente Tarifstruktur übernommen.

Die neue gesamtschweizerische Tarifstruktur TARDOC wurde in Liechtenstein durch entsprechende Abänderung von Art. 73 KVV (LGBl.2025 Nr. 553) übernommen und ist seit 1. Januar 2026 in Kraft.

Der Verzicht auf einen eigenen Tarif hat zur Folge, dass in der Schweiz vorgenommene Änderungen der Tarifstruktur unmittelbar auch in Liechtenstein Anwendung finden. Demgegenüber wird der Taxpunktwert kantonal und auch in Liechtenstein eigenständig festgelegt.

Weshalb brauchte es eine neue Tarifstruktur?

Ambulante ärztliche Leistungen in Arztpraxen und im spitalambulanten Umfeld wurden in der Schweiz rund 20 Jahre lang über TARMED verrechnet, der massgeblich auf Datengrundlagen aus den 1990er Jahren basierte, die in den vergangenen Jahren auch nicht aktualisiert worden sind. Eine Revision der gesamten Tarifstruktur hat in dieser Zeit nie stattgefunden, sodass der medizinisch-technische Fortschritt nicht (mehr) angemessen abgebildet war, was zu Fehlanreizen führte und Leistungen nicht mehr sachgerecht tarifiert wurden.

Im TARMED wurden technische Leistungen oft besser vergütet als Beratungsgespräche, sodass insbesondere die Hausarztmedizin tarifarisch benachteiligt war.

Was wird vom TARDOC erwartet?

Der Wechsel zu TARDOC soll kostenneutral erfolgen, d.h. der Wechsel des Tarifsystems an sich darf nicht zu Kostensteigerungen führen.

Mit TARDOC werden alle ambulanten medizinischen Leistungen über das gesamte ambulante Leistungsspektrum wieder korrekt abgebildet und sachgerecht tarifiert.

Die neuen Tarifstrukturen sollen sich stetig weiterentwickeln und - im Gegensatz zum TARMED - regelmässig an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden und eine zeitgemässe Bewertung der medizinischen und technischen Leistungen ermöglichen.

Das Systems wird durch eine Verringerung der Anzahl der Tarifpositionen von gut 4500 (TARMED) auf rund 1400 Positionen (TARDOC) stark vereinfacht.

Den Bedürfnissen und Besonderheiten der Hausarztmedizin soll besser Rechnung getragen werden.

Für rund 315 ambulante medizinische Eingriffe wurden Pauschalen eingeführt. Pauschalen bieten generell weniger Anreiz zu Mengenausweitung.